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Panama

  • Frank Stäheli
  • 25. Aug. 2019
  • 4 Min. Lesezeit

Ja, Panama.... dieses Land ins in der ganzen Welt bekannt. Nicht nur wegen der Tiger-Ente und dem Bär, welche nach Panama reisen möchten, sondern auch weil der Panamakanal meines erachten einen riesigen Einfluss auf den globalen Handel und unseren Wohlstand hat. Zudem wäre hier unsere Reise ursprünglich zu Ende gewesen und so denken wir öfter als sonst an Zuhause. Was würden wir jetzt in der Schweiz machen...? Trotz diesen Gefühlen sind wir froh, dass unsere Reise weiter nach Südamerika geht.

Wir wissen nicht richtig wie es uns in Panama gefällt. Wir haben schon viel erlebt und wahrscheinlich sind wir nach dem vielen grün und den langen Ständen satt. Dennoch können wir nichts schlechtes von Panama erzählen. Das Land ist vielfältig, die Strände sind einsam und schön und die Leute sind herzlich und freundlich. Auch wenn wir das Gefühl haben, dass die Offenheit der Menschen hier nicht mehr so gross ist wie in den anderen Ländern, erleben wir einzelne herzliche Begegnungen.

Wir fahren der Pazifikküste Richtung Panama-City entlang und machen immer wieder mal einen Abstecher ans Meer. Frank feiert heute seinen 39 Geburtstag. Die Kids sind nervös und packen die Geschenke gleich selber aus. Der feine Kuchen am Strand darf dabei natürlich nicht fehlen.

Eine Schlaufe führt uns noch ins Landesinnere in die hügelige und grüne Vegetation. Dort finden wir Unterschlupf bei der ortseigenen Feuerwehr. Am Abend treffen wir mehr per Zufall auf ein Strassenfest mit Akrobatik und viel Musik.

Kurz vor Panama City bemerkt Frank, dass der Motorenölstand des Lasti gestiegen ist. Die Diagnose lautet "Diesel im Motorenöl". Die Einspritzmagnete des Motors sind nicht mehr dicht und müssen neu abgedichtet werden. Wir entschliessen uns den Dichtsatz in Chile zu besorgen und hier in Panama vorerst nur einen Motorenölwechsel zu machen. Hiermit ist die Schmierung des Motors weiterhin gewährleistet. Bis wir in Chile sind haben wir genug Zeit um die Ersatzteile zu organisieren.

Nach zwei Wochen in Panama sind nun bereits in Panama-City angekommen. Wir müssen hier noch einige Dokumente für die Ausfuhr unseres Lasti besorgen. Das ganze Prozedere bei der Polizeiinspektion ist ziemlich umständlich. Von langen Wartezeiten, bis zur Vorschrift, dass bei dieser Hitze lange Hosen getragen werden müssen ist alles dabei. Dank dem Internet konnten wir uns auf den Ablauf gut vorbereiten und haben die Dokumente am Nachmittag ohne Zwischenfall erhalten.

Anschliessend besuchen eine riesige Shopping-mall, auf deren Parkplatz wir auch übernachten können. Dort geniessen wir die klimatisierten Räumlichkeiten und Tatjana findet das eine oder andere Schnäppchen.

Den rund 80km langen Panamakanal mit seinen 6 Schleusen (3 auf Pazifik- und 3 auf Atlantikseite) möchten wir nicht verpassen. Es ist unglaublich, was hier dazumal erbaut wurde. Wenn man bedenkt, dass vor über 100 Jahren einer die Idee hatte, einen Kanal durch eine vom Jungel bewachsene Hügelkette zu graben und einen See zu stauen, damit riesige Schiffe das Land durchqueren können, muss dies dazumal als nahezu unmöglich geklungen haben. Die traurige Seite des Kanal ist, dass rund 70'000 Sklaven während 10 Jahren den Kanal erbaut haben und um die 20'000 Menschen ihr Leben lassen mussten. Eine traurige Bilanz wenn man bedenkt, dass der Kanal dazumal "nur" 300 Millionen Dollar gekostet hatte. Heute würde man wahrscheinlich für dieses Geld nicht mal eine Schleuse bauen können.

Wir haben Glück und wir können 2 Giganten bei der Durchfahrt in der Schleuse bestaunen. Nur noch 60cm Freiraum hat das Schiff seitlich zur Schleusenmauer. Die seitlichen Lokomotiven ziehen das x-10'000-end Tonnen schwere Schiff beinahe millimetergenau durch die Schleuse. Was der Mensch hier für Anstrengungen für den Globalen Handel macht ist unglaublich. Autos, Getreide, Öl, Gas...und auch unser Lasti wird auf dem Weg nach Chile mit einem RollON-RollOFF (RoRo) Schiff den Panamakanal passieren.

Die Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz direkt am Kanal. Vom Lasti aus sehen wir die riesigen Tanker- und Containerschiffe an uns vorbeiziehen. Echt eindrücklich wie die gigantischen Schiffe auf dem Land spazieren fahren.

Unsere letzte Nacht im Lasti verbringen wir in der Nähe von Colon. Wir haben Jorge beim Einkaufen getroffen und er hat uns auf sein Grundstück in einem Naturschutzgebiet eingeladen. So stehen wir inmitten vom Jungel an einem See, die Kids dürfen das Kanu benutzen und auf dem Gelände weiden drei Schafe und ein Schwein. Wir bringen unseren Lasti auf Vordermann. Alles muss einbruchsicher verstaut sein und so muss das komplette Material vom Dachträger und der Fahrerkabine in den Koffer. Das Risiko von einem Einbruch ist gross, da der Lasti auf dem Hafengelände und im Schiff unbewacht ist. Wir hoffen auf ein gutes Ende, so dass wir unseren Lasti wohlbehalten in Chile entgegennehmen können.

Unser Segeltrip wird in der Marina von Linton Bay starten. Wir haben dort in der Nähe ein Hostel gebucht und fahren mit dem Lasti dorthin. Nun packen wir die Taschen für unsere Ferien und ziehen aus unserem Schneckenhaus aus. Etwas chaotisch und ungewohnt ist das Leben im Hostel. Die gewohnten Handgriffe, wie wir sie im Lasti kennen, funktionieren hier nicht und mehrfach müssen wir Dinge suche, da alles irgendwie im Zimmer verstreut ist.

Nun ist der Tag gekommen an dem Frank den Lasti am Hafen abgeben muss. Dank einer guten Beschreibung und hilfreichen Truckerfahrer am Hafen hat Frank nach kurzer Zeit alle Stempel für die Ausfuhr des Lasti. Bei der Abgabe werden nochmals alle Stempel und Dokumente kontrolliert und der Lasti mit einem Drogenhund durchsucht. Grünes Licht... Frank darf den Schlüssel einem Hafenarbeiter übergeben. Nach einer kurzen Instruktion der Gangschaltung wird der Lasti zum Terminal gefahren. Frank schaut dem Lasti mit einem gemischten Gefühl hinterher und dann verschwindet der Lasti hinter den hohen Containerstappel. Wir alle hoffen auf ein Wiedersehen.

Mit dem Chickenbus geht es zurück zum Hostel. Es ist eine Fahrt, bei welcher ich mich noch nie so Fremd gefühlt habe. Ich, Frank, blond, bleich, grossgewachsen, mit blauen Augen sitze als einziger Tourist in einem Bus, welcher überfüllt mit einheimischen Menschen ist. Es ist brütend heiss, bei jedem sieht man die Schweissperlen auf der Oberlippe. Ich stehe in dem für mich viel zu niedrigen Mittelgang, da es keine freien Sitzplätze mehr hat. Bei jedem Bus stopp drängen die Menschen aneinander vorbei um aus- oder einzusteigen. Vorne am Bus hängt ein Fernseher, auf welchem Filme und Musikvideos gezeigt werden. Natürlich in einer Lautstärke, dass auch die hintersten im Bus jedes Wort verstehen können. So fahre ich rund 1.5 Stunden zum Hostel, geniesse das Gefühl der Fremde, den Blick aus dem Fenster, die Leute und die exotische Busfahrt...

Wir verbringen noch einen weiteren Tag im Hostel und nun geht es in die Marina zum Segelschiff. Die Kids sprechen seit Tagen nur noch vom Segeltrip und wir freuen uns riesig. Wir sind alle gespannt was uns die nächste Woche für Erlebnisse geben wird.


 
 
 
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