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Das enge Guatemala

Wir haben den Guatemalischen Zoll gut gemeistert und nachdem wir uns anschliessend erfolgreich durch die enge Marktstrasse gezwängt haben, fahren wir weiter Richtigen Huehuetengango. Die Strassen schlängelt sich durch enge Täler, über die Hochebene, welche geprägt ist von Hügeln. Immer wieder durchqueren wir kleine Dörfer. Um diese liegen steil angelegte Felder, welche die Guatemalteken mit ihrem bis zu 15 unterschiedlichen Maissorten anpflanzen. Das Land ist sehr eng besiedelt und immer wieder wird es mal eng für unseren Lasti.

Beeindruckend sind die Camionetas (Chickenbus), welche hier als häufiges Verkehrsmittel, immer mit Vollgas, durch die Strassen fahren. Je mehr Passagiere desto mehr Geld und dieser Druck spiegelt sich im Fahrstil. Die Camionetas sind aufwendig mit viel Chrom und LED- Lämpchen getunt. Wir sind immer beruhigt, wenn wir hinter einem Camioneta herfahren können, denn dann sind die Strassen mit Sicherheit genug breit. Häufig wissen wir nicht, wann die Strassen für uns zu schmal werden.

In Huehuetengango stellen wir uns auf einen Innenhof eines Hotels. Campingplätze sind hier nicht verbreitet, da die Touris häufig mit dem Rucksack unterwegs sind. Obwohl uns die Menschen in Guatemala noch freundlicher erscheinen als in Mexiko, ist hier die Kriminalität um einiges höher. Es fällt uns schwer dies zu glauben. Dennoch wollen wir unser Glück nicht herausfordern und sind erstmals vorsichtig mit der Wahl der Übernachtungsplätze. Mit dem Colectivo fahren wir ins Stadtzentrum. Ein Minibus, bei welchem die Schiebetür permanent offen steht und die Leute einsteigen können bis der Bus aus allen Nähten platzt. Diese Minibuse haben keine Sitzplatzbegrenzung. Trotz Gedränge lächeln alle und staunen über unsere Anwesenheit. Im Stadtzentrum schlendern wir durch die Gassen. Das Städtchen liegt weit ab vom Touristenstrom und so werden wir mit unseren zwei blonden Kids bestaunt wie die Tiere im Zoo. Wir merken die vielen Blicke um uns herum. Es zieht uns wieder einmal mehr durch den Markt. Die Gassen leben noch mehr als in Mexiko; überall wird Gefeilscht, die grossen Camionetas die durch die Menge fahren, Abgas und schwarze Russwolken liegen in der Luft, kleine Tuck-Tuck die sich gekonnt durch jede Lücke zwängen um möglichst schnell ans Ziel zu gelangen..... Wir werden hier überhäuft mit Reizen und so kommt einem in Gedanken das Treiben in Mexiko schon fast langweilig vor. Das Abendessen holen wir im Park, bei einem der vielen Essensstände und machen uns anschliessend mit dem Taxi auf den Nachhauseweg.

Mit unserem Lasti sind wir zu gross um die kleinen Strassen in der abgelegenen Hochebene zu erkunden. So zieht es uns weiter Richtung Quetzaltenango. Es ist eine riesige Stadt und dennoch kommt man immer wieder in den Genuss von schmalen Strassen, da sich beidseitig der Strasse die Verkaufsstände reihen. Wir machen hier einige Besorgungen. Unter anderem kauft sich Tatjana ein neues Telefon. Unsere Vorstellung war, dass das Preisniveau in Guatemala tiefer liegt als in Mexiko. Zu unserer Überraschung sind hier die Preise ähnlich oder sogar etwas teurer als in Mexiko. Entweder sie hauen uns permanent über das Ohr oder es ist wirklich so. Vielleicht sinkt das Preisniveau auch noch, da wir uns bis heute mehrheitlich in Städten aufgehalten haben.

Wir übernachten etwas ausserhalb der Stadt, wiederum bei einem Hotel. Diesmal hat es einen SPA-Bereich, welchen wir nutzen dürfen. Es hat mehrere Dampfsaunas, welche ihren Dampf tief aus dem Felsen holen. Man spürt am eigenen Leib, dass unter einem die Erde brodelt. Eine so heisse Dampfsauna haben wir noch selten erlebt. Da es hier auf über 2000 m.ü.M eher kühl und regnerisch ist, geniessen wir den SPA-Abend in vollen Zügen.

Am Tag darauf besuchen wir eine Glasbläserei. Es ist eine beeindruckende Produktion. Mit viel Geschick und noch richtigem Handwerk produzieren hier ca. 10 Männer verschiedene Gläser, Krüge und Vasen. Es ist viel Betrieb, wir fühlen uns wie in einem Bienenstock. Frank darf sein Geschick auch mal unter Beweis stellen und selber eine Glaskugel blasen. Brauchbar ist diese schlussendlich jedoch nicht und landet schnell auf dem Scherbenhaufen. Als Erinnerungsstück kaufen wir im nebenstehenden Laden einen Wasserkrug, welcher uns an diesen Moment erinnern wird.

Heute fahren wir weiter ins Städtchen Panachel, welches direkt am bekannten Atitlansee liegt. Die letzten Kilometer der Strasse sind super steil und Frank steht permanent auf der Motorbremse. Wir stellen uns bei einem Hotel auf die Wiese. Von dieser haben wir direkte Sicht auf die beiden Vulkane, welche über 4000 m.ü.M reichen. Wir möchten hier die nächsten 4 Tage stehen bleiben. Ein Muss in Guatemala ist das Mitfahren in einem Camioneta. So fahren wir mit einem dieser halsbrecherischen Busse wieder die steile Strasse hinauf ins nächste Dorf auf einen Markt. Hier sind viele Leute ganz traditionell angezogen und auf dem Markt bestaunen wir das frische und zum teil überdimensionale Gemüse. An einem weiteren Tag machen wir mit dem Boot einen Ausflug nach San Pedro. Das Dörfchen ist ein Magnet für alle Backpacker. In einem kleinen Laden, welcher von einer Frauengemeinschaft geführt wird, zeigen uns Frauen die Produktionsschritte von der Baumwolle bis zum fertigen Stoff. Es ist eindrücklich wie hier noch alles von Hand und mit reinen Naturmaterialien produziert wird. Zum Färben werden ausschliesslich natürlichen Farbstoffen wie Kohle, Minze, Avocado... verwendet. Natürlich unterstützen wir die Gemeinschaft mit dem Kauf einiger Textilien. (www.atitlanwomenweavers.com)

Am Sonntag besuchen wir den Landesweit bekannten Markt in Chichicastenango. Wir sind wie alle anderen Touristen mit einem Minibus unterwegs. Den ganzen Tag schlendern wir durch die Gassen. Da es Pfingstsonntag ist sehen wir mehr per Zufall eine Prozession, welche durch den Markt führt. Natürlich besichtigen wir die nahe gelegene Kirche. Das innige Beten in der Kirche zeigt, wie gläubig die Guatemalteken sind. Auf den Knien kriechen die gläubigen den Gang bis zum Altar und sprechen ihre Gebete. Auch wir zünden einige Kerzen für unsere liebsten Menschen an.

Die Busfahrt nach Hause ist dann eher mühsam. In einer Woche sind Wahlen und so sind die Strassen mit unzähligen Auto verstopft, welche hier noch das letzte Mal Propaganda für ihre Partei machen.

Am Horizont erkennen wir dunkle Gewitterwolken. Wir kommen noch rechtzeitig zurück zum Lasti. Danach schüttet es wie aus Eimer und unserer Campingwiese verwandelt sich in einen Fluss. Es wird Haufenweise Müll mit angeschwemmt, welcher anschliessend im See landet. Hier erkennt man einmal mehr, dass der Müll überall in der Natur liegt.

Das Gewitter hat viel Gestein und Schlamm auf die Strassen gespült, fahren wir einen Umweg und benutzen die Hauptstrasse, anstatt die kleine kürzere Nebenstrasse. Unser nächstes ziel ist San Jose Calderas. Frank hat hier mit einer Familie Kontakt aufgenommen, welche Trekkingtouren auf den Vulkan Acatemango organisiert. Von diesem müsste man mit Glück auf den daneben liegenden noch aktiven Vulkan Fuego sehen. Es soll einer der aktivsten Vulkane auf der Erde sein.

Auf der Strecke wir uns nach total über 40'000 bereits gefahrenen Kilometer die Routine doch noch zum Verhängnis. Frank verlässt sich zu 100% auf Navi und dieses hat eine Neben-Neben-Nebenstrasse in unsere Route eingeplant. Wir bemerken das Malheur erst, als wir uns schon eine viertel Stunde durch ein kleines Städtchen gedrängt haben und schlussendlich auf einer kleinen Dreckstrasse das Vertrauen ins Navi verlieren. Wir suchen eine Wendemöglichkeit und korrigieren die Route auf dem Navi. Nach diesem kleinen Umweg finden wir das Dörfchen San Jose Calderas, in welchem die Familie von Catalino wohnt. Vorsichtig verlassen wir die Hauptstrasse und fahren auf der Dreckstrasse ins Dörfchen hinein. Diesmal führt uns unser Navi richtig und ein Sohn der Familie empfängt uns mit offenen Armen. Nach fünf Minuten scharrt sich eine grosse Kinderschar um uns und wir können unseren Lasti in ein eingezäuntes Gelände stellen. Der Aufstieg auf den Vulkan soll sehr anstrengen sein. Wir sind gespannt welches Abenteuer uns die nächsten Tage erwartet.


 
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