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Kalte Nächte

  • Frank Stäheli
  • 23. Nov. 2018
  • 8 Min. Lesezeit

Im Visitorcenter des Capitol Reef NP werden wir freundlich über die Highlights informiert. Frank möchte in den Norden des Parks, denn da kommt man nur über einen 4x4 Trail hin. Obwohl diese Strasse offiziell wegen eines Felssturzes gesperrt ist hat uns der Ranger versichert, dass wir mit unserem Truck durchkommen. Hoffen wir mal er weiss was für ein Truck wir haben. Zudem erwartet uns auf diesem Trail eine Flussüberquerung, was natürlich Lenn begeistert.

Die Strasse ist in einem guten Zustand und wir kommen schnell voran. Teilweise hat es grosse Verwaschungen, welche von den heftigen Gewitter im Sommer kommen. Über diese müssen wir mit unserem Truck von 14 Tonnen jeweils langsam hinweg klettern. Dies ist jedoch mit unserer Bodenfreiheit kein grösseres Problem. Auf einmal ist ein grosses Loch in der Strasse. Nebenbei liegt der riesige Stein mit fast 4 Meter Durchmesser. Das muss die Stelle das Felssturzes sein, von welcher der Ranger gesprochen hatte. Mit einem kleinen Bogen können wir dem tieferen Teil des Loches ausweichen. Es wird einem schon mulmig, wenn man einer Felswand entlangfährt und bedenkt, dass jederzeit sich ein Fels lösen könnte. Unser Truck und auch wir wären null Komma nix platt. So sind wir dann auch froh, als wir wieder in der weiten Ebene sind und nicht mehr an der Felswand entlang fahren müssen. Wir fahren durch farbige Wüstengebiete mit Steinformationen die auf die Plattenverschiebungen der Kontinente hinweisen. Wie schon in anderen Parks sieht man hier die Schichten der Erdplatten. So unterscheiden sich die Parks hauptsächlich indem man die eine oder andere Schicht als oberste Schicht sieht. Die Natur hat weiter über Jahr Millionen die Schichten durch Erosion verformt.

Am nördlichsten Punkt der Strecke befindet sich der Campingplatz und da er gratis ist müssen wir nicht zweimal überlegen ob wir hier übernachten. Wir sind alleine auf dem Platz, da sich um diese Jahreszeit nicht mehr viele Touris in diesen Höhenlagen befinden. Jeder findet schnell eine Beschäftigung; Feuer machen, Klettern, Holzsuchen, Buch lesen....

Frank holt sich den Crosstöff vom Ständer und macht mit Layla einen Ausflug auf den nächstgelegenen Hügel. Das ist immer wieder ein Highlight und Layla liebt es über die Schotterpisten zu brettern. Auf dem Hügel liegt in den schattigen Orten noch Schnee was für diese Höhenlage nicht ungewöhnlich ist. In der Nacht fällt die Temperatur unter den Gefrierpunkt.

Am Morgen weckt uns ein gewaltiger Sonnenaufgang und Frank ist früh wach. Es ist richtig gemütlich im Camper. Es riecht nach frischem Kaffee und getoastetem Brot, der Boden ist bereist schön warm, die Ränder der Fenster sind immer noch mit Eis bedeckt und wenn man nach draussen schaut ist der Himmel tief rot und die Sonne blendet einem mit ihrer wärmenden Kraft. Von Bett aus sieht man auf die weite Ebene mit ihren Felsformationen. Nach einem gemütlichen Frühstück machen wir uns auf den Rückweg. Lenn redet nur noch von der bevorstehenden Wasserüberquerung. Diese ist jedoch erst kurz bevor wir wieder auf den Highway kommen. Und tatsächlich, wir fahren sogar noch ca. 20 Meter Flussaufwärts. Da sich Lenn so darauf gefreut hat fahren wir nochmals zurück und nun darf Lenn den Lasti durchs Wasser lenken. Er ist mächtig stolz und wir geniessen seinen stolzen Momente indem wir ihn dabei beobachten.

Wir befinden uns nicht lange auf dem Highway und schon biegen wir in die nächste Schotterpiste ab. Diese ist jedoch auch für 2x4 Fahrzeuge befahrbar. So fahren wir weiter entlang des Capitol Reef NP und erkunden den südlichen Teil des Parks. Ganz im Süden des Parks wechseln wir dann auf den Burr Tail, welcher Anfangs mit steilen Spitzkehren uns aus dem Canyon hinausführt. Die heutige Fahrzeiten ist kurz und so haben wir beim nächsten Stellplatz in der Pampas wieder viel Zeit für uns. Die Kids entdecken feinen Sand und wissen sich wiederum sehr schnell zu beschäftigen. Auch das heranschleicken von Feuerholz ist hoch im Kurs und so macht uns Lenn das Lagerfeuer. Sägen, Spalten und das Spiel mit dem Feuer fasziniert ihn.

Hoch im Kurs ist aktuell das Spiel UNO. Jeden Abend und auch bereits führ morgens stürmen die Kids danach. Am liebsten spielen sie mit den aussortierten Spezialkarten. Dann ist viel los; 4 Karten aufnehmen, Spieler auslassen, Farbe wählen, 2 Karten aufnehmen, Spielrichtung kehren...

Am nächsten Tag treffen wir im Bryce Canyon NP ein. Auch hier ist "Low Season" und es hat nur noch ein Campingplatz offen. Der Bryce NP befindet sich auf 2300-2700m.ü.M. was wiederum noch kältere Nächte mit sich bringt. Wir sind gespannt wie Wintertauglich unser Lasti gegen Kälte sein wird. Die Wände bestehen ja nur aus einer 50mm Isolationsschicht.

Hier erwartet uns eine einmalige Landschaft. Die Hoodoos, welche hier durch die Erosion entstanden sind leuchten in weiss, rot und orangen Farben. Auf unseren Wanderungen sind wir beinahe alleine. Wir steigen hinab in den Canyon. Die Kids lieben es sich zu verstecken und dass geht hier bei so vielen Hoodoos perfekt. Nach 2 Tagen haben wir viel vom Park gesehen. Da wir erst am späten Nachmittag aus dem Park fahren suchen wir uns in der Nähe einen Stellplatz. Tatjana hat mittlerweile ein "gutes Händli" für schicke Stellplätze. Diesmal in der Nähe eines kleinen Baches. Am Rand ist bereits das Eis zu sehen und wie erwartet ist auch diese Nacht sehr Kalt. (-15°)

Es ist die kälteste Nacht die wir jemals im Camper hatten. Im Inneren ist dank unserer Heizung, die glücklicherweise super funktioniert, jederzeit angenehm warm. Die 50mm Isolationsschicht trotz den -15°C und nur um die Fensterrahmen bildet sich etwas Kondenswasser. Die Fensterscheiben sind natürlich vereist. Draussen ist uns jedoch alles was füssig ist eingefroren. So funktioniert das WC, der Ablauf der Spüle und Dusche nicht mehr. Die Leitungen sind zu Eis erstarrt. Zum Glück ist der Trinkwassertank im Inneren des Koffers und nicht vom Vereisen betroffen. Tatjana rümpft etwas die Nase als ihr bewusst wird, dass sie nun bei diesen Temperaturen draussen auf das WC muss.

Frank ist bereits vor dem Frühstück draussen am Feuer machen. Er versucht unter dem LKW mehrere kleine Feuer zu machen, damit das Eis schmilzt. Es bleibt beim Versuch, denn es braucht wirklich viel Wärme und Zeit um Eis zu schmelzen. Des einen Leid des anderen Freud. Die Kids haben mächtig Spass im Bach die Eisdecke zu durchbrechen und die Eismassen zu stauen. Selbst das Fischernetz steht nach kurzem eintauchen im Wasser stramm. Die Kids sind ganz fasziniert wie schnell das geht.

Die Sonne scheint mittlerweile schon kräftig. Zudem führt uns unsere Route in den tiefer gelegene Zion NP. Wir hoffen, dass im Verlaufe des Tages alles auftaut und wir das Geschirr dennoch abwaschen können und vor allem unsere Toilette keinen Schaden genommen hat.

In der Nähe des Zion NP ist es bereits merklich wärmer und wir können wieder im Pullover herumlaufen. Zudem hat sich das ganze Eis am Camper wieder verflüssigt und alles funktioniert wieder. Wir übernachten kurz vor dem Parkeingang und treffen dort Amis aus Texas. Ihr Akzent ist extrem und es hört sich lustig an. Wie Cowboys aus dem Film.

Wenn man vom Osten in den Park fahren möchte muss man zwei Tunnel durchqueren. Wir haben mit unserm Truck bereits Übergrösse da wir mit Sicherheit mehr als 11" (Fuss) haben. Am Parkeingang werden wir natürlich gefragt wie hoch wir sind und Frank antwortet 12". Der Ranger schaut ungläubig den hohen Truck an und glaubt Frank kein Wort. Auch Frank ist sich da nicht ganz sicher, jedoch lässt er sich nichts anmerken. Denn für Fahrzeuge über 13" sind die Tunnel gesperrt und wir müssten einen grossen Umweg fahren. Etwas Übermass haben ja alle Tunnel denkt sich Frank. Der Ranger greift zu seiner Messlatte und möchte nachmessen. Er versucht die Messlatte auszufahren und aufzustellen, schafft es aber nicht. Wahrscheinlich einer von den weniger technisch begabten Ranger. Nach einer Weile hat Frank Mitleid und geht dem Ranger zur Hilfe. Und siehe da 15". Ach du Scheisse so hoch kann doch gar nicht sein, denkt sich Frank. Der Ranger hat schon seine Gewinnermine aufgezogen, da bemerkt Frank, dass der oberste Teleskop nicht ausgezogen ist. Neues Messresultat ist exakt 12". Nun hat Frank sein Gewinnergesicht aufgezogen. Der Ranger wünscht uns eine gute Fahrt und nun wissen wir auch wie hoch wir sind. Beim zweiten Tunnel wird für uns extra der Tunnel gesperrt damit wir beide Fahrspuren benutzen können. Dementsprechend Stau gibt es an beiden Enden des Tunnel. Die Kids sind mächtig stolz auf unser Oversize-Fahrzeug.

Da der Zion NP ein enges Tal in der Wüste ist kann man nur mittels Shuttelbus hineinfahren. Für uns bereits etwas ungewohnt ohne unseren Lasti unterwegs zu sein. Für uns Schweizer ist dieser Park nicht sehr spektakulär, da wir hohe Felswände zu genügen kennen. Eindrücklich ist, dass dieser Park in mitten einer Wüste ist und eine Oase für Flora und Fauna bietet. Wir sehen viele Rehe und zudem den grössten Baum von State Utha.

Mittlerweile sind wir über 10 Tage an keinem Lebensmittelladen vorbeigefahren. Dementsprechend sieht unser Kühlschrank aus und unsere Vorräte neigen sich dem Ende zu. Die Schränke mit der dreckigen Wäsche sind vollgestopft und Tatjana kribbelt es schon länger unter den Nägeln da sie bald wieder Wäsche waschen darf. In der Stadt Hurricane finden wir wieder alles was unser Herz begehrt. Zudem buchen wir für morgen ein Offroadtrip mit einem Side-by-Side. Bis heute haben wir zu genüge den Spassmobilen zugeschaut. Nun möchten wir selber aufs Pedal drücken. Wir suchen uns etwas ausserhalb der Stadt einen Stellplatz. Auf dem Weg dorthin entdeckt Frank einen Schiessplatz. Wir biegen ab und schauen den Amis beim ballern zu. Durch unseren Truck sind wir natürlich jedem auf dem Platz aufgefallen und so kommen wir wie immer schnell ins Gespräch. Frank prallt mit seiner Militärkarriere und darf sich schlussendlich sogar noch als Schütze beweisen. Er lässt 2 Magazine durch. Das erste etwas zögerlich, das zweite bereits im Serienfeuer. Tatjana hält sich zurück da sie nicht viel von Waffen hält. Wir revanchieren uns mit einer Besichtigung des Trucks und wie immer fallen die Amis aus allen Wolken. Ein Fan gibt uns sogar eine Adresse in Mexiko, an welche wir uns bei Bedarf wenden dürfen. Lenn hat mittlerweile einen Haufen Patronenhülsen gesammelt, welche wir jedoch nicht mitnehmen können. Die mexikanischen Grenzbeamten werden solche Souvenirs nicht schätzen.

Am Morgen sind die Kids früh wach, da es heute zum Offroadfahren geht. Wir sind alle gespannt und die Kids dementsprechend nervös. Papierkram und eine kleine Instruktion und los geht's. Für uns nicht vorstellbar. Eine Fläche von mehr als 1600 Quadratkilometer, auf welcher man kreuz und Quer fahren darf. Von Sanddünen bis zu steinigen Trails findet man hier alles zum fahren. Unser Side-by-Side hat super Power und klettert steile Dünen hinauf. Wir machen einen kurzen Stopp zuoberst auf einer Düne um einigen 4x4 Autos zuzuschauen. Frank hat derzeit unbemerkt den vor uns liegenden Abhang inspiziert. Als alle wieder im Side-by-Side sitzen (Tatjana und Layla hinten) ist für Frank klar, dass es geradeaus die Düne hinab geht. Tatjana befürchtet so was und ermahnt Frank; "Bitte nicht da hinunterfahren!!!" Woooooowww, schon zu spät!!! Als wir unten heil angekommen sind schaut Layla ganz cool zu Mama und sagt; "Wenn du da nicht hinunterfahren möchtest hättest du nicht mitkommen müssen". Da ist Mama ganz platt, was für Sprüche die kleine Layla klopft. Zum Glück können wir am Abend das Spassmobil ohne Schaden wieder zurückgeben.

Alltag:

Damit wir hier nicht ganz verwildern und uns von den üblichen Anstandsformen entfernen, haben wir einige Regeln aufgestellt. So haben wir alle zusammen das unanständiges Verhalten definiert, welches nicht mehr akzeptiert wird. Jeder der sich nicht daran hält bekommt einen Strich auf einer Tabelle.

Striche gibt es für:

-Rülpsen

-Beine auf dem Tisch oder auf dem Tisch sitzen

-Herumturnen beim Essen

-Fluchen

Anfangs lief es für Frank und Tatjana prima. Der Plan geht auf und die Kids reissen sich zusammen. Dennoch gibt es für Lenn und Layla den einen oder anderen Strich. Nach dem ersten Abend mit ein oder zwei Bier hat sich dann Frank jedoch ins Abseits geschossen. Dank seinen Rülpser ist er der grosse Verlierer und die Kids haben dementsprechend Freude. Bereits haben die Kids ihren eigenen Plan mit ihren eigenen Regeln erstellt. Für uns Interessant ist, was die Kids als störend empfinden.

Lenn am Steuer bei der Wasserdruchquerung:

Layla am Feuer:


 
 
 
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