Yukon-Alaska
- Frank Stäheli
- 24. Sept. 2018
- 5 Min. Lesezeit

Whitehorse ist das Verkehrszentrum vom Yukon. Hier erhält man noch alles was das Herz begehrt. Wir machen wieder einmal einen Grosseinkauf inklusiv einem Besuch beim Canadian Tire (Bau und Hobby Coop von Kanada) der lieblingsladen von Lenn und Frank. Sehenswürdigkeiten von Whitehorse, wie zum Beispiel die bekannte Fischleiter der Lachse die über ein Damm geht ist bereits geschlossen. Es wirkt ruhig und nur die grossen Parkplätze um die Touristeninfo lässt erahnen wie viele Touristen sich im Sommer hier tummeln. Wir übernachten etwas ausserhalb der Stadt bei den Hotspring. Nach dem heissen Bad warten wir vergebens auf die Nordlichter, da es zu bewölkt ist.
Von Whitehorse geht es weiter Richtung Norden. Wir möchten ein Stück weit in den berühmt berüchtigten Dempster HYW fahren. Dies ist die Strasse an das Polarmeer ganz im Norden von Amerika. Den ganzen HYW von rund 750km ist uns zu weit mit den Kids, da es den selben Weg zurück geht. Bis wir zum Dempster HYW abbiegen können müssen wir noch rund 600km Asphaltstrasse fahren. Eigentlich eine eintönige und langweilige Fahrt, welche jedoch durch die herbstlich gefärbten Wälder einmalig wird. Auf halbem Weg suchen wir uns ein schönes Plätzchen. Viele Campingplätze haben bereits geschlossen. Dank der iOverlander-APP finden wir wieder einen super Spot direkt am Yukon. Das Wetter ist traumhaft. Die Kids spielen am Ufer, Frank übt sich beim Fischen und Tatjana sucht Schwemm- und Brennholz für das Lagerfeuer. Am frühen Abend kommen Jäger mit dem Boot ans Ufer. Sie haben letzte Nacht einen Elch erlegt und präsentieren stolz ihre Beute und die dazugehörige Geschichte. Es ist erstaunlich wie Basic das Leben hier ist. Der Elch gibt vier Familien Fleisch für den Winter. Die Kanadier gehen hier häufig nicht nur einem Job nach um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sonder je nach Saison bauen sie Häuser, arbeiten im Tourismus oder gehen zur Selbstversorgung auf Jagt. Als Europäer fragt man sich wie das funktioniert, denn Arbeitsplätze wie wir sie kennen trifft man hier weniger.
In der Nacht sehen wir die Polarlichter, jedoch haben wir den Lasti so hingestellt, dass wir eine schlechte Sicht aus dem Fenster haben. Ab diesem Moment wissen wir auch, dass die Nordlichter immer gegen Norden zu sehen sind. Zudem ist es draussen sehr kalt und nebenbei haben uns die Jäger von Wölfen und Bären erzählt, welche hier regelmässig am Yukonufer herumirren. So bleiben wir lieber im Lasti und wagen uns nicht in die absolute Dunkelheit hinaus.
Wir werden von sonnigen Tagen verwöhnt. So ist auch der Dempster HYW ein einmaliges Erlebnis. Man durchfährt hier verschiedene Vegetationen. Nach rund 150km auf der Schotterpiste nach Norden kehren wir um. An diesem Punkt wird die Landschaft karg und öde. Unterwegs machen wir eine Wanderung auf einen " Berg" mit grossartiger Aussicht in zwei Täler. Für die Nacht suchen wir uns ein idealen Spot für die Nordlichter. Wir wissen jetzt ja wie wir den Lasti hinstellen müssen. In der frühen Nacht sehen wir das Spektakel erneut. Die Nordlichter sind unglaublich schön und intensiv. Frank überwindet sich auch noch für ein paar Fotos in die eisige Kälte zu gehen. Bodenheizung sei Dank, dass wir dennoch eine Warme Nacht im Lasti haben.
Am nächsten Tag geht es über Dawson City auf den "Top of the World HYW". Dawson selber ist eine alte Goldgräberstadt. Da zum Saisonende auch noch Sonntag ist, haben viele Shops geschlossen und so gönnen wir uns in Dawson nur einen kurzen Halt. Die Dregge (ein Baggerschiff von den Goldgräberzeiten) gehen wir Frank und Lenn zuliebe dennoch anschauen. Anschiessend geht es mit der Fähre über den Yukon auf den Top of the World HYW.
Das Wetter ist immer noch sonnig. Wir fahren die Bergkette auf einer Krete entlang und haben auf beiden Seiten eine grossartige Aussicht. Dank unseren grossen Reifen ist auch diese Schotterpiste angenehm zu fahren. Auf diesem HYW sind wir nun wirklich alleine. Wir übernachten zuoberst auf dem HYW mit 360° Aussicht. Das Fenster bei unserem Bett ist diesmal nach Norden gerichtet, so hoffen wir aus dem Bett die Nordlichter zu sehen. Unser Plan geht auf. So kräftig haben wir sie noch nie gesehen. Die Bedingungen sind perfekt. Eine klare und kalte Nacht, keine fremde Lichtquellen, freie Sicht auf den nördlichen Horizont und eine kuschelige warme Bettdecke. Wir werden diese Nacht nicht so schnell vergessen.
Am Morgen ist vor allem Lenn nervös. Es geht über den Zoll nach Alaska. Er befürchtet, dass sie uns den Bärenspray wegnehmen, denn der kanadische Spray ist in Alaska verboten und der von Alaska in Kanada. So hat man uns das gesagt.
Am Zoll geht alles reibungslos. Lenn meinte jedoch beim herauslaufen aus dem Zollbüro "Und was ist jetzt mit dem Bärenspay?" Ups... jetzt aber schnell weg.
Wir fahren ein Tal hinab in die Ebene nach Tok. Überall sieht man Kiesgruben wo immer noch nach Gold gesucht wird. Lenn würde am liebsten die ganzen Kieshaufen selber umschaufel. In Tok machen wir wieder einen Grosseinkauf und tanken den Lasti auf . Hier ist der Diesel einiges günstiger. Unser erster Eindruck von den Alaskaner ist eher bescheiden. In diesen kleinen verzettelten Dörfer fühlt man sich nicht so richtig willkommen. Die Nacht verbringen wir neben einer Bibliothek und so haben wir seit langem wieder einmal für länger Internetzugang.
Unser nächstes Ziel ist der Denali Nationalpark. Wir wählen die Route über den Denali HYW, welcher uns durch eine landschaftlich unberührte Natur führt. Die Schotterpiste ist mal besser mal sehr schlecht im Schuss und es holpert ziemlich im Lasti. Frank wundert sich, dass der Innenausbau des Koffers durch die Vibrationen und Schläge noch nicht zerstört wurde. Von der Strasse aus sehen wir Elche und Caribous. Die Nacht verbringen wir inmitten der Wildnis. Vor dem Abendessen gehen wir noch Blaubeeren sammeln und lesen die Tierspuren im Schlamm. Lenn braut sich sein eigenen Blaubeerenzaubertrank, welcher dann nur Tatjana gerne trinkt.
Als wir am Denali Nationalpark ankommen fängt es an zu regnen. Der offizielle Touristenbetrieb haben die Ranger bereits eingestellt. Leider sehen wir nur ein Hase auf den Rund 45km, welche man in den Park fahren kann. Frank hat dennoch Freude wie der Lasti am Abend aussieht.
Irgendwie werden wir mit Alaska nicht so richtig warm. Wir fahren hier lange Strecken ohne wirklich etwas zu sehen. Wir entschliessen uns noch bis nach Anchorage zu fahren und uns anschliessen wieder auf den Rückweg nach Kanada zu machen. Die Küstenstädte von Alaska lassen wir aus, da zu diesen häufig nur eine Sackgassstrasse von rund 200km hinführt. Für uns würde das 5h Fahrzeit für hin und zurück bedeuten.
In Anchorage versprechen wir den Kids ein Badetag im Hallenbad. Das ausgelesene Hallenbad liegt jedoch in einer Militärbasis. Das besteht hier aus einem ganzen Stadtviertel wobei man durch eine Eingangskontrolle muss. Obwohl alle Militärjungs von unserem Lasti begeistert sind gibt es für uns kein hineinkommen in dieses Stadtviertel. Glücklicherweise hat noch ein Aquapark auf der anderen Stadtseite offen. Der Park sieht auf den ersten Blick super aus. Viele Rutschen, ein Piratenschiff und Planschbecken für die Kids. Als wir im Aquapark drin sind merken wir das diese ziemlich in die Jahre gekommen ist. Durchgerostete Geländer und Rostlöcher in den Treppen ist nur der Anfang. Tatjana hat sich deswegen kaum auf die Supermegagrosse Rutsche getraut. So nebenbei, sogar Layla durfte auf diese Rutsche, welche um einiges krasser ist als jene vom Säntispark. Wir dachten die Ami's sind immer so Sicherheitsbedacht. In Alaska auf jedenfalls nicht.